Welche
Data-Storage Architekturen können die zukünftigen Anforderungen
erfüllen?
Fast kein anderer Bereich
innerhalb der IT ist einem so großen Wachstum und neuen
Anforderungen unterworfen wie der Storage. Ein für die
IT-verantwortlichen Personen wichtiges Faktum ist die Tatsache,
daß die Investitionen für Storage-Systeme mehr als 75 % der
Server-Kosten betragen. Die Tendenz ist stark steigend und es ist
eine Frage der Zeit, bis die Kosten für Storage diejenigen der
Server übersteigen werden. Bei diesen Kosten handelt es sich um
reine Hardware-Kosten. Mit zunehmender Storage-Kapazität wird
auch die Komplexität des Storage-Managements höher. Nach
verschiedenen Quellen betragen die Kosten für RAW-Storage
(Bruttokapazität des Storage) zwischen 5-10 % der IT-Kosten. Die
Kosten für einen kontrollierten (managed) Storage betragen das
2- bis 10fache des RAW-Storage. Diese Fakten sind auch den
Herstellern der Server-Systeme bestens bekannt. Und dies ist
genau der Grund, warum Storage, der früher eher stiefmütterlich
behandelt wurde, bei diesen Herstellern zunehmend an Bedeutung
gewinnt und nun bei den Marketing- und Verkaufsstrategien eine
primäre Position einnimmt. Die Fokussierung auf Storage-Systeme
wird zusätzlich noch durch eine neue technische Entwicklung
unterstützt. Bei dieser Entwicklung handelt es sich um die
Fibre-Channel-Technik (inkl. FC-AL Fibre Channel Arbitrated
Loop). Fibre Channel ist die Antwort auf die zunehmenden
Begrenzungen der SCSI-Technologie. Fibre Channel unterscheidet
sich hauptsächlich in drei Bereichen von der bestehenden
SCSI-Technologie. Dies sind: viel höhere Bandbreite (100
Mbyte/Sek. pro Point-to-Point-Verbindung oder Loop), längere
Distanzen (30 m bis 10 km) und vollkommen neue Möglichkeiten,
Server und Storage miteinander zu verbinden. So stehen
verschiedene Topologien (Point-to-point, Fabric, Loop) und
Elemente wie Hubs, Switches usw. zur Verfügung. Es gibt noch
viele andere Vorteile der Fibre-Channel-Technologie, so zum
Beispiel der gleichzeitige Einsatz verschiedener Protokolle
(SCSI, TCP/IP usw.). Auf diese Punkte soll an dieser Stelle nicht
weiter eingegangen werden, da sie den Rahmen des Artikels
sprengen würden.
SAN (Storage Area Network)
Die am meisten gebrauchten
Schlagwörter in Verbindung mit Storage und Fibre Channel sind
SAN (Storage Area Network) und Skalierbarkeit. Die wesentlichen
Elemente eines SAN sind in der folgenden Grafik dargestellt. Für
die korrekte Interpretation eines SAN müssen die folgenden
Punkte berücksichtigt werden: Innerhalb des SAN werden Server
und Storage mit einen eigenen «Netzwerk» (Fibre Channel)
miteinander verbunden. Der Grundgedanke bei der Konzeption der
SANs ist es, keine Insellösungen zu schaffen. Ein SAN sollte
heterogen aufgebaut sein. Das heißt, es müssen verschiedene
Server-Plattformen und wenn möglich verschiedene Storage-Systeme
(Hersteller, Tape, Optical usw.) integriert werden können.
Server und Storage werden über das Fibre-Channel-Netzwerk
(Fabric) zusammen-geschlossen. Das Fabric-Netzwerk wird bei den
meisten SAN-Präsentationen als undurchsichtige Wolke
dargestellt. Diese ungewöhnliche Darstellungsart hat zwei
Gründe. Einerseits soll gezeigt werden, daß die Verbindungen
und eingesetzten Komponenten des Fabric-Netzwerkes nicht
vordefiniert sind, und andererseits wird damit die Tatsache
vertuscht, das verschiedene Elemente noch gar nicht vorhanden
sind. Bei diesen Elementen handelt es sich hauptsächlich um
Switches und verschiedene Software-Komponenten, die das
Management des SAN ermöglichen (Zoning-, Fabric-, Lun-Manager
usw.). In der Theorie sieht somit alles bestens aus. Die
praktische Realisation eines richtigen SAN ist aber noch ein
langer Weg. Viele Hersteller zeigen Ihnen aber bereits perfekte
SAN-Konzepte und bieten auch Fibre-Channel-Produkte an. Wenn Sie
jetzt in die Fibre-Channel-Technik investieren wollen und den
Plan haben, ein SAN aufzubauen, sollten Sie sich ein paar
grundlegende Gedanken machen:
- Ein SAN ist per Definition
eine heterogene Lösung. Viele Hersteller unternehmen
aber alles (Interfaces, Management-Software, Treiber
usw.), um Ihnen Storage-Lösungen anzubieten, die nur auf
den eigenen Plattformen laufen. Nach diversen Quellen
werden in größeren Unternehmen im Durchschnitt sechs
verschiedene UNIX-Derivate (NT, Netware usw. sind dabei
nicht berücksichtigt) eingesetzt. Aus einer globalen
wirtschaftlichen Sichtweise betrachtet heißt das, es
müssen sechs Insellösungen finanziert werden. Konkret
sind dies sechs unterschiedliche Storage-Systeme von
verschiedenen Lieferanten, 6fache Haltung von
Ersatzteilen oder Wartungsverträgen, 6fache Ausbildung
des Personals für das Management der Systeme usw. Die
Fibre-Channel-Technologie bietet Ihnen heute die Chance,
eine Homogenisierung der Storage-Plattformen innerhalb
des Unternehmens durchzuführen. Dies erfordert jedoch
die klare Definition der zukünftigen
Storage-Architektur. Es ist wichtig, sämtliche
Einflüsse, die auf die Storage-Plattform einwirken, zu
kennen und das Wissen in die Konzeption einfließen zu
lassen. Wenn Sie nicht auf eine heterogene Unterstützung
des Storage achten und damit weiterhin den Storage nicht
global, sondern plattformspezifisch betrachten, dann
werden Sie nie die Insellösungen auflösen können, und
Sie werden nie die Möglichkeit haben, ein SAN im Sinne
der Entwickler aufbauen zu können.
- Da verschiedene Komponenten
für ein SAN zur Zeit noch nicht verfügbar sind, werden
vielerorts Einstiegslösungen auf der Basis von Fibre
Channel Arbitrated Loop von den Herstellern angeboten. In
Verbindung mit diesen Lösungen und den späteren
Anforderungen an die Storage-Systeme wird gerne das
Schlagwort «Skalierbarkeit» verwendet. Leider wird der
Begriff «skalierbar» im Marketing und Verkauf etwas
anders ausgelegt, als es der tatsächliche Sinngehalt
beschreibt. Skalieren bedeutet, unter Beibehaltung der
bestehenden Komponenten und durch Hinzufügen von neuen
oder identischen Komponenten die Leistung des Systems
beziehungsweise der Lösung so zu verändern, daß sie
den neuen Anforderungen wieder entspricht. Auf der Seite
vieler Hersteller wird «skalierbar» etwas anders
definiert. Skalierbar wird gerne als Produkt-Portfolio,
bestehend aus mehreren unterschiedlichen Storage-Systemen
verstanden. Der Kunde kann dann, je nach seinen
Anforderungen, ein bestimmtes System anschaffen. Ändern
sich die Anforderungen, so hat der Kunde die Möglichkeit
zu «skalieren». Das heißt, es muß ein Update, Upgrade
oder wie immer auch die Bezeichnung ist, durchgeführt
werden. Bei diesen Upgrades wird dann einfach der gesamte
Storage durch ein anderes Produkt des Herstellers
ersetzt. Für den Hersteller ist diese Art von
Skalierbarkeit sehr lukrativ. Sie generiert Umsatz, es
können zusätzlich Dienstleistungen (Implementation,
Schulung für die neuen Produkte) verkauft werden, und
die «alten» Produkte können auch noch mit gutem Gewinn
wieder verkauft werden. Betriebswirtschaftlich gesehen
ist es daher sehr interessant, eine reale Skalierbarkeit
bei der Auswahl des Storage sicherzustellen. Ein SAN ist
auch nicht einfach da, sondern es wächst schrittweise.
Aufgrund Ihrer Entscheidung können Sie nun skalieren
oder Produkte auswechseln.
- Ein wichtiger Punkt bei einem
SAN (dies gilt auch für Cluster-Lösungen) ist auch eine
klare Trennung zwischen den Komponenten für die
Prozeßverwaltung (Server) und den Komponenten für die
Datenverwaltung (Storage-Array). Damit diese Trennung
möglich wird, müssen Storage-Systeme mit einem
intelligenten Array-Controller (Storage-, RAID-Prozessor)
eingesetzt werden. Storage-Lösungen mit JBOD-Systemen
(Just a Bunch of Disk) und einer RAID-Software, die auf
dem Server installiert werden muß, sind für
SAN-Lösungen nicht geeignet, obschon diese Systeme gerne
für dieses Einsatzgebiet angeboten werden. Es gibt die
verschiedensten Gründe, warum dies so ist. Eine
Aufzählung der relevanten Punkte würde ebenfalls den
Umfang dieses Artikels sprengen. Ein SAN (oder eine
Cluster-Lösung) ohne die klare Trennung zwischen den
Komponenten für die Prozeßverwaltung (Server) und denen
für die Datenverwaltung (Online-Storage) wird nicht
funktionieren. Konkret bedeutet dies: Wenn Sie jetzt als
Einstiegslösung JBOD-Systeme anschaffen, dann sollte
Ihnen der Hersteller beweisen oder zusichern können,
daß Sie später diese Komponenten als Storage-Module
für einen intelligenten Fibre Channel Disk-Array
Controller einsetzen können. Ansonsten bleibt Ihnen nur
die Möglichkeit der Marketing-Skalierbarkeit. Das
heißt: Austauschen aller Komponenten. l Die meisten
Fibre-Channel-Lösungen basieren auf der
Fibre-Channel-Arbitrated-Loop-Topologie. Jedes aktive
Device (Node) verfügt über einen sogenannten NL-Port
(Node Loop Port). Sobald ein Switch eingesetzt wird,
werden die Server mit der
Fibre-Channel-Point-to-Point-Topologie mit dem Switch
verbunden. Für diese Verbindung werden aber nicht mehr
NL-Ports benötigt, sondern die F-Ports und N-Ports.
Viele Low-Cost-Host-Adapter unterstützen aber nur
NL-Ports. Die bedeutet, daß Sie den Controller wechseln
müssen. Informieren Sie sich daher im voraus, welche
Komponenten Sie in diesem Fall wechseln müssen,
ansonsten muss mit nicht budgetierten Folgekosten
gerechnet werden.
- Die Geschäftsprozesse
ändern sich immer schneller und werden auch immer
komplexer. Dies hat zur Folge, daß auch Anpassungen
immer schneller durchgeführt werden müssen. Das heißt,
die IT-Verantwortlichen benötigen effiziente und
effektive Instrumente für die Umsetzung der neuen
Geschäftsprozesse. Dies bedeutet einerseits Kosten
sparen und andererseits die Anzahl der Systeme reduzieren
(Konsolidierung). Bei diesen Konzepten ist die Strategie
des Unternehmens mit-einzubeziehen. Bei
Fehlentscheidungen sind es nicht mehr die
Anschaffungskosten der neuen Technik, welche das Budget
belasten, sondern die Kosten, um die Technik wieder
loszuwerden. Diese Punkte treffen besonders auf
Storage-Systeme zu. Aufgrund dieser Entwicklung ist es
falsch, auf ein Storage-System zu setzen, welches alle
Anforderungen nur durchschnittlich erfüllt. Genauso
falsch ist es auch, aufgrund dieser Anforderungen wieder
Insellösungen mit verschiedenen Storage-Systemen zu
schaffen. Die Definition einer neuen Storage-Architektur
ist extrem komplex, selbst wenn man bereits einen großen
Erfahrungsschatz hat, da die verschiedensten
Einflußfaktoren berücksichtigt werden müssen. Wichtig
ist nachher vor allem die Umsetzung diese Architektur.
Das heisst vor allem, die richtigen Komponenten zu
evaluieren und zu definieren, welche die gestellten
Anforderungen auch wirklich erfüllen können.
Es gibt noch verschiedene andere
Punkte, die man bei der Definition von Storage-Architekturen
berücksichtigen muß. So wurde zum Beispiel die Thematik
Datensicherung, Datenbanken usw. in diesem Artikel überhaupt
nicht angeschnitten. Unsere Erfahrungen zeigen, daß es für
Unternehmen immer wichtiger wird, durch ein definiertes Vorgehen
eine globale Storage-Architektur zu erarbeiten. Dieses Vorgehen
beinhaltet die Definition der Ziele, Entwicklung des Konzeptes,
Evaluation der Komponenten usw. Dank diesem Vorgehen können die
unterschiedlichen Marketing- und Verkaufsargumente
beziehungsweise die Funktionalitäten der unterschiedlichen
Systeme auf einen gleichen Nenner gebracht werden, und Sie sind
in der Lage, die spezifischen Anforderungen des Unternehmens zu
vergleichen und bewerten zu können. Ein altes Sprichwort,
welches vor allem in der Informatik seine Aktualität beweist,
lautet: «Es ist nicht alles Gold, was glänzt».
Wenn Sie für diese
besonderen Projekte eine externe Beratung und Unterstützung
benötigen, dann können Sie auf Consulting-Unternehmen wie zum
Beispiel die COPE AG zurückgreifen.
Rufen Sie uns einfach an.
Stefan Christen, Business Consulting Manager COPE AG, Telefon
041-798 33 33, christen@cope.ch.
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